Die CE-Kennzeichnung eines BYD-Gabelstaplers ist kein einmaliger Formalakt, sondern das Ergebnis eines strukturierten, nachvollziehbaren Prozesses. Wer als Händler, Importeur oder Betreiber Flurförderzeuge mit Lithium-Eisenphosphat-Antrieb in der EU in Verkehr bringt, muss die technische Dokumentation lückenlos beherrschen – von der Risikobeurteilung über die Prüfberichte bis zur EU-Konformitätserklärung. Diese Anleitung führt Sie in neun Schritten durch den kompletten Ablauf, wie er bei BYD-Staplern mit Lithium-Ionen-Batterie in der Praxis angewandt wird.

1. Schritt: Rechtsrahmen und harmonisierte Normen bestimmen
Bevor die erste Seite Dokumentation entsteht, muss klar sein, gegen welche Vorschriften geprüft wird. Für Flurförderzeuge gilt in der EU bis zum 19. Januar 2027 die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Ab dem 20. Januar 2027 wird sie durch die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 ersetzt, die unter anderem digitale Betriebsanleitungen und strengere Anforderungen an autonome Funktionen mit sich bringt. Prüfen Sie daher, zu welchem Zeitpunkt Ihr BYD-Stapler erstmals in Verkehr gebracht wird.
Anschließend legen Sie die anwendbaren harmonisierten Normen fest. Die Konformitätsvermutung greift nur, wenn Sie diese Normen tatsächlich einhalten und in der Dokumentation referenzieren.
| Bereich | Norm / Vorschrift | Zweck |
|---|---|---|
| Grundlagen | EN ISO 12100 | Methodik der Risikobeurteilung |
| Flurförderzeuge | EN ISO 3691-1 | Sicherheit von Motorkraftkarren |
| Elektrische Antriebe | EN 1175 | Elektrische Ausrüstung von Flurförderzeugen |
| Steuerungssicherheit | EN ISO 13849-1 | Performance Level sicherheitsrelevanter Teile |
| Elektrik | EN 60204-1 | Elektrische Ausrüstung von Maschinen |
| EMV | EN 12895 | Elektromagnetische Verträglichkeit |
| Lithium-Zellen | UN 38.3, IEC 62619 | Transport- und Betriebssicherheit der Batterie |
Tipp: Legen Sie eine Normenmatrix an, in der jede Norm mit Kapitelverweis und Nachweisdokument verknüpft ist. Diese Matrix ist später Ihr schnellster Weg durch ein Audit.

2. Schritt: Risikobeurteilung nach EN ISO 12100 erstellen
Die Risikobeurteilung ist das Herzstück der technischen Dokumentation und muss für das konkrete Modell gelten – nicht für eine Baureihe im Allgemeinen. Typische Gefährdungen bei BYD-Elektrostaplern sind Quetsch- und Scherstellen am Hubgerüst, Kippgefahr durch Lastschwerpunktverlagerung, elektrische Gefährdungen durch 80-Volt-Systeme sowie thermische Risiken der Lithium-Batterie.
Gehen Sie iterativ vor: Gefährdung identifizieren, Risiko einschätzen, Schutzmaßnahme umsetzen und Restrisiko bewerten. Dokumentieren Sie jede Maßnahme mit Bauteil, Normbezug und Prüfnachweis. Besonders wichtig bei Lithium-Antrieben: Zustandsüberwachung durch das BMS, Abschaltung bei Tiefentladung, Temperaturgrenzen und das Verhalten bei Crash oder Zellfehler.
Warnung: Eine kopierte Risikobeurteilung aus einem Verbrenner- oder Bleibatterie-Stapler ist wertlos und im Schadensfall ein Haftungsrisiko. Batteriespannung, Ladeleistung und Kühlkonzept unterscheiden sich grundlegend und müssen neu bewertet werden.

3. Schritt: Technische Dokumentation zusammenstellen
Anhang VII der Maschinenrichtlinie beschreibt, welche Unterlagen vorzuhalten sind. Für einen BYD-Stapler bedeutet das konkret:
- Gesamtzeichnung, Übersichtsschaltplan und Stromlaufpläne
- Standsicherheits- und Lastdiagramm-Nachweise
- Berechnungen zu Bremsen, Lenkung, Hubgerüst und Kippsicherheit
- Bauteilzertifikate für Sicherheitsventile, Schalter, Sensoren und Steuerungen
- Batterie-Dokumentation: UN-38.3-Testbericht, Sicherheitsdatenblatt, BMS-Spezifikation, Ladegerät-Nachweise
- Prüfprotokolle für EMV, Isolation, Schutzleiter und Funktionssicherheit
- Betriebsanleitung in der Sprache des Zielmarkts
- EU-Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnungsnachweis
| Dokument | Verantwortlich | Aufbewahrung |
|---|---|---|
| Risikobeurteilung | Hersteller / Importeur | 10 Jahre ab letzter Fertigung |
| Konformitätserklärung | Inverkehrbringer | 10 Jahre |
| Batterie-Testberichte | Zulieferer | Produktlebenszyklus |
| Betriebsanleitung | Hersteller | 10 Jahre |
4. Schritt: Konformitätsbewertungsverfahren wählen
Flurförderzeuge sind in der Regel nicht in Anhang IV der Richtlinie gelistet. Damit genügt das Verfahren der internen Fertigungskontrolle nach Anhang VIII: Sie beurteilen selbst, stellen die Dokumentation zusammen und erklären die Konformität. Das ist nur dann zulässig, wenn die relevanten harmonisierten Normen vollständig angewandt wurden. Weichen Sie ab oder fehlen Normen, wird eine benannte Stelle eingebunden.
Tipp: Auch wenn keine benannte Stelle nötig ist, empfiehlt sich bei Sonderumbauten (Anbaugeräte, höhere Hubhöhen, kundenspezifische Batterien) eine freiwillige Begutachtung. Sie reduziert Haftungsrisiken erheblich.
5. Schritt: CE-Kennzeichnung korrekt anbringen
Die CE-Kennzeichnung muss sichtbar, lesbar und dauerhaft am Stapler angebracht sein – üblicherweise auf dem Typenschild zusammen mit Herstellername, Modellbezeichnung, Seriennummer, Baujahr, Nennlast und Batteriespannung. Die Kennzeichnung darf nicht mit anderen Zeichen verwechselt werden und verliert ihre Gültigkeit, wenn nachträglich sicherheitsrelevante Bauteile verändert werden.
Warnung: Ein angebrachtes CE-Zeichen ohne vollständige technische Dokumentation ist eine Ordnungswidrigkeit und kann bei Unfällen als Täuschung gewertet werden. Marktüberwachungsbehörden fordern die Unterlagen innerhalb weniger Tage an.
6. Schritt: EU-Konformitätserklärung ausstellen
Die Erklärung nach Anhang II enthält: Name und Anschrift des Herstellers oder seines Bevollmächtigten, eindeutige Maschinenidentifikation, Beschreibung von Funktion und Typ, die Erklärung, dass alle einschlägigen Vorschriften eingehalten sind, die Liste der angewandten Normen sowie Ort, Datum und Unterschrift der bevollmächtigten Person. Sie muss in die Sprache des Zielmarkts übersetzt vorliegen und dem Endkunden mit dem Stapler übergeben werden.
7. Schritt: Betriebsanleitung und Lithium-Sicherheit redaktionell prüfen
Die Betriebsanleitung ist Teil der Dokumentation und muss in der Sprache des Landes vorliegen, in dem der Stapler eingesetzt wird. Prüfen Sie insbesondere Abschnitte zu Batteriewechsel, Laden, Lagerung, Brandverhalten und Notabschaltung. Bei BYD-Lithiumsystemen gehören Hinweise zu Ladeinfrastruktur, Temperaturfenstern und dem Verhalten bei beschädigten Zellen zwingend dazu.
- Originalanleitung in der Sprache des Herstellers
- Übersetzte Version für jeden Zielmarkt
- Sicherheitshinweise zu Restgefahren
- Wartungs- und Prüfintervalle
8. Schritt: Dokumentation archivieren und aktuell halten
Die technische Dokumentation ist ab dem letzten Herstellungsdatum mindestens zehn Jahre aufzubewahren und bei jeder konstruktiven Änderung fortzuschreiben. Ändert sich eine Norm, prüfen Sie, ob eine Nachbewertung erforderlich ist. Führen Sie ein Revisionsverzeichnis mit Versionsstand, Datum und Verantwortlichem – so bleibt die Dokumentation auch nach Jahren prüfbar.
9. Schritt: Abschlusscheckliste und Marktüberwachung
- Alle anwendbaren Normen identifiziert und referenziert?
- Risikobeurteilung modellspezifisch erstellt?
- Batterie- und Ladegerätnachweise vorhanden?
- Konformitätserklärung unterschrieben und übersetzt?
- CE-Kennzeichnung dauerhaft angebracht?
- Archivierung für zehn Jahre gesichert?
Tipp: Stellen Sie alle Unterlagen zusätzlich digital und versioniert bereit. Die neue Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 erlaubt digitale Betriebsanleitungen und erleichtert damit die Weitergabe an internationale Kunden erheblich.
Häufige Fehler bei BYD-Staplern vermeiden
In der Praxis scheitern Projekte selten an der Technik, sondern an der Dokumentation: fehlende Übersetzungen, veraltete Normverweise nach der Umstellung auf die Maschinenverordnung, unvollständige Batterienachweise oder eine nicht unterschriebene Konformitätserklärung. Wer diese Punkte frühzeitig strukturiert, bringt BYD-Lithiumstapler schnell, rechtssicher und ohne Nachbesserungen in den europäischen Markt.
Für Fragen zu Dokumentation, CE-Konformität und Beschaffung von BYD-Gabelstaplern mit Lithium-Eisenphosphat-Batterie erreichen Sie unser Team jederzeit unter info@bydfork.com.
